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Titel: Menschenskinder
Die Vertragsstaaten treffen wirksame und geeignete Maßnahmen [...], dass das Recht von Menschen mit Behinderungen auf freie und verantwortungsbewusste Entscheidung über die Anzahl ihrer Kinder und die Geburtenabstände sowie auf Zugang zu altersgemäßer Information sowie Aufklärung über Fortpflanzung und Familienplanung anerkannt wird und ihnen die notwendigen Mittel zur Ausübung dieser Rechte zur Verfügung gestellt werden.
Artikel 23, UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung


2006 verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Der völkerrechtliche Vertrag wurde von der EU ratifiziert und trat 2009 in Deutschland in Kraft. Im Wesentlichen sichert er Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen die Chancengleichheit und Teilhabe an der Gemeinschaft. In Artikel 23 verpflichten sich die Vertragsstaaten, das Recht auf Familie zu gewährleisten und zu schützen. So sollten beeinträchtigte Menschen - wie alle anderen Menschen - ihren Wunsch nach Familie und Kindern frei ausleben können. Deutschland hat die UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderung unterzeichnet und muss nun Lösungen finden diese Verpflichtungen umzusetzen.

Die Realität zeigt aber ein anderes Bild: Insbesondere Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung müssen ihren Kinderwunsch rechtfertigen. Zu groß scheint die Herausforderung. Kommt es zu einer Schwangerschaft, fragen Familie, Pfleger und staatliche Institutionen wie Jugendämter häufig: Muss das sein? Kann man hier nicht eine einfache Lösung finden? Damit ist in der Regel eine Abtreibung und danach eine Sterilisation gemeint.

Das ist selbstverständlich nicht so einfach. Niemand darf gegen den Willen einer Patientin eine Abtreibung oder Sterilisation vornehmen. Genauso wenig kann man Menschen mit einer Lernbehinderung davon abhalten, für ihren Familienwunsch zu kämpfen oder sogar zu klagen.

Doch vereinzelt gibt es soziale Träger, die versuchen, behinderten Menschen ein bedarfsorientiertes und weitgehend selbstbestimmtes Familienleben zu ermöglichen. Diese Form der Unterstützung wird häufig als "begleitete Elternschaft" bezeichnet.
Es gibt verschiedene Modelle: Bei der ambulanten Betreuung leben Familien in einer eigenen Wohnung, mehrmals in der Woche kommen Sozialpädagogen vorbei und leisten Unterstützung.
In anderen Projekten können beeinträchtigte Mütter mit ihrem Kind bei einer Gastfamilie einziehen.
Etwa 20 Einrichtungen bieten "Rund-um-die-Uhr-Betreuung". Hier leben Eltern und Kinder mit mehreren Familien in großen Wohngemeinschaften, die von Sozialpädagogen betreut - aber auch überwacht - werden.

Bezahlt werden die Projekte durch die Eingliederungshilfe des Sozialamtes, häufig in Kooperation mit dem Jugendamt. Jedoch gibt es keine festgelegten Finanzierungsmodelle. Für jede Familie muss neu verhandelt werden welches Amt Leistungen bezahlt.

Und der Film zeigt auch: Es ist keine Seltenheit, dass die Eltern ihre Kinder nicht behalten dürfen. Denn in vielen Städten gibt es keine passenden Projekte Eltern zu unterstützen.
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